Glossar Biegetechnik

Biegewerkzeug:

Das Biegewerkzeug wird speziell auf die entsprechenden Rohre, Wandstärken und Radien angepasst und besteht aus folgenden Teilen:

  • Biegerolle: Die Biegerolle bestimmt den Biegeradius und ist für das Biegeergebnis stark ausschlaggebend. Direkt mit der Biegerolle wird die Klemmnase verschraubt. 
  • Dorn: Der Biegedorn liegt innen im Rohr und sorgt dafür das das Rohr beim Biegeprozess nicht einfällt und platt wird, sondern eine gleichbleibende Rundheit im Bogenbereich hat. Je enger der Biegeradius und je kleiner die Wandstärke um so komplexere Dorne kommen zum Einsatz. Hier unterscheidet man: Kaliberdorne, Löffeldorne, Kugeldorne und Segmentdorne.
  • Faltenglätter: Der Faltenglätter liegt innen am Biegeradius der Biegerolle an und verhindert "Faltenbildung" im Innenbereich des Bogens. Faltenglätter müssen individuell an den Radius der Biegerolle angepasst werden.
  • Klemmset: Das Klemmset besteht aus Klemmnase und Klemmstück. Die Klemmnase wird mit der Biegerolle verschraubt und das Klemmstück bildet das Gegenstück am Schwenkarm. Das Klemmset kann mit verzahnten oder erodierten Klemmflächen ausgestattet werden, um die Klemmlänge zu verkürzen.
  • Gleitstück: Das Gleitstück liegt außen am Rohr an und kann entweder mitlaufend oder feststehend aufgebaut werden. Feststehende Gleitstücke eignen sich sehr gut bei großen Radien ( > 2 x D) und werden in der Regel aus Kunststoff gefertigt. Bei engeren Biegeradien (< 2 x D) sorgt ein mitlaufendes Gleitstück für eine deutliche Verbesserung der Bogenqualität. Das mitlaufende Gleitstück wird entweder über einen Pneumatik- oder Hydraulikzylinder bewegt oder über einen Servomotor. Je nach Ansteuerung kann es auch als Nachdrückeinheit verwendet werden.
  • Dornstange: Die Dornstange bildet die Aufnahme für den Biegedorn und versorgt den Biegedorn i.d.R. über eine Bohrung mit Schmierstoff.
  • Dornschmierung: Die Dornschmierung erfolgt entweder über eine Fasspumpe oder eine minimalmengen Schmieranlage. Bei beiden Systemen wird der Schmierstoff durch die Dornstange bis direkt in den Biegedorn gepumpt.
  • Biegeradius: Der Biegeradius wird durch die Biegerolle vorgegeben. Beim konventionellen Dornbiegen wird für jeden Biegeradius eine Biegerolle benötigt.
  • Freiformbiegen: Unter Freiformbiegen versteht man das Biegen großer Radien (> 5 x Rohrdurchmesser) mit Hilfe von 3-4 Rollen, durch die das Rohr mit axialer Kraft geschoben wird und von der sich eine Rolle auf den entsprechenden Biegewinkel einstellen lässt. Bei größeren Rohren ( > 60 mm) kann hier auch eine der Rollen angetrieben werden.
  • Nachdrücken/Boosten: Um das Biegen enger Radien (< 1,5 x D) zu ermöglichen werden häufig Nachdrückeinrichtungen in den Biegemaschinen integriert. Im Wesentlichen unterscheidet man hier zwei verschiedene Verfahren: 1. Nachdrücken über das Gegenlager: Hier wird das Gleitstück (hydraulisch oder servoelektrisch angetrieben) kontrolliert nach vorne geschoben, was dafür sorgt, dass das Material im Bogenbereich gut nachfließt und sich nicht zu weit streckt und aufreißt.
    2. Nachdrücken über die Verdrehwinkeleinrichtung (center line): Hier schiebt die Verdrehwinkeleinheit (Rohrpositioniereinheit) das Rohr mit axialer Kraft in das Biegewerkzeug. Diese Funktion wird zur Unterstützung des Materialflusses bei engen Radien verwendet (wie auch das Gegenlager) oder für die Freiformfunktion.
    Mit beiden Verfahren lassen sich außerdem die Spannlängen etwas verkürzen und die Reduzierung der Wandstärke optimieren.
  • Radienwechsler: Unter Radienwechsler versteht man die Möglichkeit ein Rohr mit verschiedenen Werkzeugen oder Radien ohne Rüstvorgang zu bearbeiten. Die Maschine wird hierfür mit einer Wechseleinrichtung versehen, die es erlaubt das Rohr in einer Aufspannung z.B. mit zwei verschiedenen Radien oder mit Formspannstücken zu bearbeiten. Diese Anwendung wird sehr häufig in Verbindung mit Formspannstücken verwendet, wenn die geraden Längen zwischen zwei Bögen einer Geometrie z.B. nicht als Spannlänge ausreichend sind.